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Ungarn-Rundreise

Juli 2013

 

Samstag, 06.07.2013 St. Pölten – Schloss Esterhazy – Heviz

Nach der einwöchigen Fahrradtour auf dem Donau-Radweg von Passau nach Wien (>> zum Reisebericht), soll es nach einer Zwischenübernachtung in St. Pölten in Österreich nun weiter gehen nach Ungarn.

Auf einer Fläche von über 93.000 qkm (Nord-Süd 250 km / Ost-West 500 km) leben ca. 10 Mio. Menschen. Das Land hat neun Nationalparks und mehrere Naturschutzgebiete, die zusammen etwa 10 Prozent des Landes ausmachen.

Erstes Ziel ist das im nördlichen Transdanubien liegende Schloss Esterhazy in Fertöd. Den Nationalpark Neusiedler See streifen wir nur und können einen kurzen Blick auf den See werfen. Dieser grenzüberschreitende Nationalpark avancierte 2001 zum UNESCO Weltnaturerbe.

Schloss Esterhazy

Mit dem Bau des größten Rokoko-Gebäude Ungarns wurde bereits 1720 begonnen. Das Jagdschloss mit 22 Zimmern wurde in nur drei Monaten erbaut und einige Jahrzehnte später um die heutige Hufeisenform erweitert. Durch ein prachtvolles schmiedeeisernes Tor betritt man den großzügigen Ehrenhof und steht vor dem Prachtbau.

Schloss Esterhazy in Fertöd
Schloss Esterhazy in Fertöd

300 Jahre waren die Esterhazys eine der reichsten und mächtigsten Familien Ungarn und setzten sich mit diesem ungarischen Versailles ein Denkmal. Um rauschende Feste feiern zu können, gab es ein Opernhaus, einen Musiksaal mit dazugehörigem Prunksaal oder auch ein Marionettentheater. Der Komponist Joseph Haydn stand ab 1761 drei Jahrzehnte im Dienst des Fürsten Esterhazy. Lange Jahre verfiel dieser Prachtbau und im Zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Inneneinrichtung entwendet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss renoviert und 1959 als Museum eingerichtet.

Durch eine ländliche Gegend mit ärmlichen kleinen Ortschaften fahren weiter in Richtung Balaton. Die riesigen Felder, auf denen Getreide oder Mais angebaut werden, erinnern uns ein wenig an Brandenburg. Wunderschön leuchten die endlosen Sonnenblumenfelder in der Sonne.

Sonnenblumenfeld

Unsere Fahrt führt uns weiter ins südliche Transdanubien nach Heviz. Dieser Kurort ist bekannt aufgrund des größten natürlichen Thermalwassersees Europas, der 44.000 qm misst. Das Seebad mit rund 6.000 Einwohnern und etwa einer Millionen Gästen pro Jahr wirkt etwas in die Jahre gekommen.

Neben einigen modernen Hotel- und Appartementanlagen stehen noch die protzigen Betonklötze aus der sozialistischen Zeit. Wir quartieren uns in die einfache Pension Villa Mediterran ein, die in Fußnähe zur Innenstadt liegt. Auf einem Rundgang durch die Stadt fällt uns auf, dass das Touristenaufkommen trotz der Ferienzeit in Ungarn nicht besonders hoch ist. Es gibt sowohl nettere Boutiquen mit hochwertiger Kleidung, als auch das typische Billigangebot. Die Stadt selber hat keinen Reiz. Immerhin finden wir eine ansprechende Weinbar. Ansonsten ist das gastronomische Angebot bestenfalls mittelmäßig.

 

Sonntag, 07.07.2013 Heviz – Balaton – Pecz - Villany

Den Vormittag verbringen wir im Thermalbad in Heviz. Bereits seit 1795 wird der See zum Baden und für Therapien genutzt. Das Wasser ist leicht radioaktiv und wird gegen Rheuma und Arthritis empfohlen. Pro Sekunde sprudeln 410 Liter Thermalwasser aus der Tiefe, so dass sich das Wasser regelmäßig selbst erneuert. Die Wassertemperatur beträgt im Winter 24 bis 26, im Sommer bis zu 36 Grad Celsius.

Thermalbad heviz
Thermalbad Heviz

Das angenehm temperierte Wasser ist allerdings reichlich tief. Ohne Schwimmhilfe bleiben nur einige Holzplanken oder die Treppengeländer zum Festhalten, möchte man sich nicht die ganze Zeit schwimmend über Wasser halten. Der See bietet offensichtliche paradiesische Bedingungen für Seerosen, die in Ufernähe um die Wette blühen.

Bevor wir weiter in den Süden fahren, legen wir einen kurzen Zwischenstopp am Plattensee (Balaton) ein. Mitteleuropas größter See wird nördlich von einer sanft bewaldeten Hügellandschaft eingerahmt. Im Vorfeld hatten uns viele von einem längeren Aufenthalt abgeraten - soweit wir das von diesem kleinen Eindruck beurteilen können, durchaus zurecht.

Weiter fahren wir durch eine landwirtschaftlich geprägte Region mit kleinen teilweise verlassenen Ortschaften. Später erreichen wir die hügelige Waldlandschaft des Mecsek-Gebirges. Erfreulicherweise gibt es einige neu gebaute Schnellstraßen, die die Fahrtzeit verkürzen.

Pecz

Die kosmopolitische Stadt Pecz (Fünfkirchen) war 2010 Kulturhauptstadt Europas. Auf einem Rundgang erkunden wir die von den Römern im 3. Jahrhundert nach Christus gegründete Stadt, in der 1.000 Jahre später ebenfalls die Türken ihre Spuren hinterließen.

Pecz - Marktplatz mit Gazi-Kasim-Pascha-Moschee
Pecz - Marktplatz mit Gazi-Kasim-Pascha-Moschee

Die Gazi-Kasim-Pascha-Moschee am Marktplatz beherrscht das mittelalterliche Zentrum von Pecz. Sie wurde 1579 über einer gotischen Kirche errichtet. Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie wieder zur christlichen Kirche. Schriftzeichen am Eingang und eine Gebetsnische erinnern an die Ursprünge.

Dom von Pecz
Kathedrale St. Peter und Paul

Das Altstadtzentrum wird von der Kathedrale St. Peter und Paul dominiert, die 1009 als romanische Kirche entstand. Die Grundmauern der heutigen Unterkirche des Doms von Pécs gehen auf das Ende des 4. Jahrhunderts zurück. Nach Beschädigungen und Verfall während der 1543 bis 1686 dauernden Türkenherrschaft kam es zu Wiederaufbaumaßnahmen in verschiedenen Stilrichtungen. Zwei Türme und die gotischen Seitenkapellen wurden dabei erweitert. Im Jahre 1807 wurde die Kirche klassizistisch umgestaltet.

Innenraum der Kathedrale St. Peter und Paul in Pecz
Innenraum der Kathedrale St. Peter und Paul in Pecz

Die heutige neoromanische Gestalt des Doms entstand zwischen 1882 und 1891. Die Länge der Kirche beträgt 70 Meter, die Breite 22 Meter, die Höhe der Türme 60 Meter. Bemerkenswert ist der schön geschmückte Innenraum.

Der Kathedrale gegenüber steht das Bischofspalais im Stil der Neorenaissance. Bemerkenswert ist eine Statue von Franz Liszt, die auf dem Balkon steht.

UNESCO Weltkulturerbe

In der Innenstadt rund um den imposanten Dom wurden einige frühchristliche Grabmäler gefunden und von der UNESCO im Jahre 2000 als Weltkulturerbe anerkannt. Die freskengeschmückten Grabkammern aus dem 4. Jahrhundert gehörten zu den frühesten christlichen Stätten in Europa.

Grabkammern
Grabkammern in Pecz

Noch älter ist das frühchristliche Mausoleum, das unter einer ausgegrabenen Kapelle gefunden wurde. Aus dem Jahr 275 nach Chr. stammend, ist es mit biblischen Fresken ausgemalt.

Mausoleum in Pecz
Mausoleum mit gut erhaltenen Freskenmalereien

Ein Besuch des topmodernen Besucherzentrums Cella Septichora ist sehr empfehlenswert. Hier können einige Grabkammern, die durch ein unterirdisches Gangsystem verbunden sind, besichtigen. Eine sehr interessant gemachte Ausstellung.

Der bekannte Op-Art-Gründer Victor Vasarely wurde 1908 in Pecs geboren, einige seiner Werke sind im Vasarely-Museum zu sehen. Wir haben bereits die Vasarely-Foundation bei Aix-en-Provence besichtigt und uns dort intensiv mit dem Künstler beschäftigt.

Unser Tagesziel ist das Weinstädtchen Villany. Hier haben wir uns für zwei Nächte im ****Hotel Crocus Gere eingemietet. Zusammen mit Tokaj gehört Villany zu den Topdestinationen für qualitätsvollen Weintourismus in Ungarn. Begünstigt vom submediterranen Klima und von exzellenten Bodenverhältnissen produzieren mehrere international renommierte Winzer wie Ede Tiffan, Jozsef Bock und Attila Gere nach alter Tradition seit 1989/90 sehr bekömmliche und gehaltvolle Weine. Mit Traditionspflege und Experimentierfreude werden auch alte Rebsorten wieder kultiviert.

Das erst 2008 als erstes Viersternehotel in Villany errichtete Wein Spa Hotel bietet Wohlfühlatmosphäre. Abends lassen wir uns im Hotel-Restaurant verwöhnen. Das aktuell mi 14 Gault Milleau Punkten ausgezeichnete Restaurant wird gehobenen kulinarischen Ansprüchen mehr als gerecht und die hauseigenen Weine vervollkommnen das kulinarische Erlebnis. Dazu werden hauseigene Produkte wie z.B. Traubenkernöl gereicht. Ein rundum gelungenes Erlebnis.

 

Montag, 08.07.2013 Villany – Siklos – Harkany – Villany

Nach einem Verwöhnfrühstück wollen wir erst einmal auf einer Radtour Kalorien abtrainieren.

Teilweise wurden in der landschaftlich schönen Weinregion bereits Fahrradwege angelegt. Auf dem ersten gut ausgebauten Streckenabschnitt erreichen wir zunächst einen Skulpturenpark an einem alten Steinbruch. Mehr als 150 Skulpturen stehen auf einer Anhöhe mitten in der Landschaft.

Nach Siklos führt der weitere Weg an einer Hauptstraße entlang. Schon von weitem ist die mächtige Burg zu erkennen, die die Stadt überragt. In Siklos gibt es ebenfalls eine Moschee aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Abgesehen von der Burganlage hat der Ort wenig zu bieten. Immerhin ist er so groß, dass sich schon große deutsche Handelsketten hier niedergelassen haben. Neben ein paar schönen Häusern gibt es viele ziemliche heruntergekommene.

Der Ort Harkany ist ein Kurbad. 1823 wurde hier eine Thermalquelle entdeckt. Der Ort selber hat wenig Charme. Die sozialistischen Ferienanlagen sind teilweise noch bewohnt und bieten ein ärmliches Bild.

Durch die landschaftlich schönen Villanyer Berge fahren wir zurück. Mangels eines ausgebauten Radwegs ist die Fahrt zum Teil sehr mühsam. Dennoch erhalten wir einen schönen Eindruck von der Weinregion. Nach 43 zum Teil sehr steilen Fahr-Kilometern freuen wir uns auf unser für den Abend reserviertes 7 gängiges Degustationsmenü im Hotel-Restaurant. Doch vorher verbringen wir den Nachmittag im einladenden Wellnessbereich des Hotels und lassen die Seele auf einer Liege in der Sonne baumeln. Das spätere Abendessen hält, was es verspricht und wir werden auf hohem Niveau kulinarisch verwöhnt. Lediglich die Weinbegleitung mit hauseigenen Weinen schwächelt bei dem ein oder anderen Gericht, was weniger an den Weinen selber liegt, sondern vielmehr an dem Mangel an lieblichen Weinen im Angebot. Großes Kino ist der Spitzenrotwein Attila, der zu 100 Prozent aus Merlot-Trauben vinifiziert wurde – mit über 100 EUR pro Flasche jedoch kein Schnäppchen ist, allerdings in Blindverkostungen den um ein vielfaches teureren französischen "Petrus" geschlagen haben soll.

Dienstag, 09.07.2013 Gödöllö – Hollokö - Visegard

Heute verlassen wir die schöne Weinregion und fahren in den Norden. Erfreulicherweise ist die Strecke nach Budapest mit einer Autobahn gut ausgebaut.

Das ungarische Schloss Gödöllő liegt ca. 25 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Budapest in der Stadt Gödöllő. Das Schloss wurde im 18. Jahrhundert errichtet und war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bevorzugte Residenz der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth („Sisi“). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss unter der sozialistischen Regierung Ungarns stark vernachlässigt, diente teilweise als Seniorenheim und drohte zu verfallen. Es wird seit 1996 in Abschnitten restauriert. Gemessen an der überbauten Grundfläche ist es der größte Barockpalast Ungarns. Über eine Prunktreppe gelangt man in die kaiserlichen Gemächer. Ganz nett ist die Schlosskapelle. Ansonsten lebt der ehemalige Prachtbau eher von der „Sisi-Nostalgie“ und hat mit der etwas zusammengewürfelt wirkenden Inneneinrichtung eher wenig Charme.

UNESCO WeltkulturerbeUnser nächstes Ziel ist das etwa 100 km von Budapest entfernt liegende traditionelle Dorf Hollokö (zu deutsch Rabenstein). Die Altstadt brannte 1905 ab, doch die alten Häuser und Strassen wurden sorgfältig renoviert. Aus dem Dorfbild ragt eine weiße Kirche in Bauerngotik heraus. Mit seinen 58 originalgetreu erhaltenen Häuser wurde Hollokö als besonderes Kulturdenkmal 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Das Dorf bekam seinen Namen, da laut Legende die Raben in der Nacht alles davontrugen, was die Menschen tagsüber bauten.

Hollokö - Rabenstein - Traditionelles Dorf UNESCO Weltkulturerbe
Hollokö - Rabenstein - Traditionelles Dorf

Die auf der schmalen Felsspitze stehende Burg von Hollokö war einst ein guter Beobachtungspunkt. Teile der Burg, die im 15. und 16. Jahrhundert eine erhebliche Rolle gegen die türkische Belagerung spielte, sind ebenfalls restauriert.

Bei unserem Besuch wirkt das Dorf eher verlassen. Viele Häuser scheinen unbewohnt. Der lebendige Dorfcharakter ist nicht zu erkennen, so dass das Dorf leider eher den Charme eines Freilichtmuseums hat. In der Rückbetrachtung hätten wir diese Besichtigung und die damit verbundene Fahrerei eher ausgelassen.

Nach der Besichtigung fahren wir zurück in Richtung Budapest. Tagesziel ist die Stadt Visegard, die nur etwa 40 km von Budapest entfernt liegt. Mit der Autofähre überqueren wir die Donau.

Donauknie bei Visegard
Donauknie bei Visegard

Der kleine Ort an der schmalsten Stelle des Donauknies war ein mittelalterliches Zentrum königlicher Macht: Davon zeugt noch die protzige Burg, die die Stadt überragt. Vom Aussichtspunkt an der Burg hat man einen tollen Panoramablick auf die Donau und die Hügellandschaft, die sich rechts und links des Ufers erstreckt.

Mittwoch, 10.07.2013 Budapest

Als Domizil für zwei Nächte in Budapest haben wir am Vorabend ein zentral gelegenes Hotel mit Parkmöglichkeiten über booking.com gebucht. Das Designhotel Lanchid 19 liegt optimal direkt an der Donau in Fußnähe zur Kettenbrücke.

UNESCO Weltkulturerbe

Die Donau trennt die Stadt in zwei Hälften, das hügelige Buda und das flache Pest. Das Burgviertel Buda und das Donaupanorama wurde 1987 von der UNESCO zum Welterbe erklärt.

In der Nähe der Kettenbrücke ist auch die Station für die 1870 erbaute Standseilbahn (Silko), die auf den Burgberg hinaus führt. Trotz längerer Schlange und einem überzogenen Fahrpreis, lassen wir uns das nostalgische Erlebnis nicht nehmen.

Dominiert wird der Burgberg vom Burgschloss, das die ungarische Nationalgalerie beherbergt. Der Ausblick auf die Donau mit Kettenbrücke, den Stadtteil Pest, die Margareteninsel und natürlich das überdimensionierte Parlamentsgebäude ist wunderschön.

Donaupanorama mit Parlament vom Burgberg
Donaupanorama mit Parlament vom Burgberg

Durch die engen Burggassen schlendern wir Richtung Fischerbastei. Ungarns ältestes Cafe Ruszwurm Cukraszda aus dem Jahre 1827 liegt auf dem Burgberg, nicht weit von der Matthiaskirche entfernt. In der kleinen Biedermeier-Stube trinken wir einen Kaffee und genießen den leckeren Kuchen. Sehr schön ist die alte Kaffeehaus-Ausstattung, das „Wohnzimmer“ hat weniger Atmosphäre zu bieten, doch der angebotene Kuchen ist exzellent.

Die Matthiaskirche strahlt nach fast abgeschlossener Restaurierung im neuen Glanz. Im Jahre 1250 errichtet, wurde selbige im 14. Jahrhundert gotisiert.

Matthiaskirche auf dem Burgberg in Budapest
Matthiaskirche auf dem Burgberg in Budapest

Bemerkenswert ist das bunte mit lasierten Ziegeln (erinnert an den Stephansdom in Wien) geschmückte Dach und das neogotische Eingangsportal. Einen schönen Blick auf die Matthiaskirche hat man von der Fischerbastei.

Fischerbastei auf dem Burgberg in Budapest
Fischerbastei auf dem Burgberg in Budapest

Über eine Treppe verlassen wir den Burgberg wieder und wechseln über die Kettenbrücke auf die andere Donauseite zum Stadtteil Pest über. Bereits seit 1849 verbindet die Brücke die Städte Pest und Buda. Im Schiffsrestaurant Spoon gibt es gratis zum Erfrischungsgetränk einen tollen Ausblick auf den Burghügel mit dem Schloss und der Fischerbastei.

Später schlendern wir über die Einkaufsstraße Vaci Ucta. Mit zahlreichen Filialisten und eher preiswerten Geschäften, lädt diese weniger zum Shoppen ein. Nett sind allerdings einige Häuserfronten mit gut erhaltenen Jugendstilfassaden. Besonders gut gefällt uns die zentrale Markthalle am südlichen Ende der Einkaufsmeile.

Markthalle im Stadtteil Pest - Budapest
Markthalle im Stadtteil Pest

Der großzügige Bau wurde zwischen 1894 und 1897 errichtet und ist eine schöne Konstruktion aus Stahl und Glas. Die mit unterschiedlich farbigen Ziegeln gestaltete Fassade sowie das bunte Dach sind ein Hingucker.

Über die Freiheitsbrücke Szabadsag hid überqueren wir erneut die Donau. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt das Gellerthotel am Fuße des Gellertberges. Im einst prachtvollen Kurhotel im Sessionsstil gibt es ein wunderschönes Thermalbad, das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde und von einer natürlichen heißen Quelle gespeist wird.

Nach einer kleinen Siesta zieht es uns abends erneut nach Pest. UNESCO WeltkulturerbeRechts und links des Prachtboulevard Andrassy Ut, Ungarns teuerste Shoppingmeile, gibt es herrschaftliche Häuser mit schönen Jugendstilfassaden. Der rund 2,3 km lange Boulevard wurde 1870 – 1895 erbaut und verbindet die Innenstadt mit dem Stadtwäldchen. 2002 wurde die Andrassy ut zum UNESCO-Welterbe erklärt.

In den Stichstraßen rechts und links des Boulevards herrscht reges Treiben. Das Angebot an Gastronomie ist groß und wird gut angenommen. Unterhalb des Boulevards verkehrt seit 1896 als erste U-Bahn auf dem europäischen Kontinent die gelbe Földalatti.

 

Donnerstag, 11.07.2013 Budapest

Zum Frühstücken gehen wir zum legendären Cafe Gerbeaud, eins der ältesten Kaffeehäuser der Stadt, das 1858 eröffnet wurde. Bemerkenswert ist die stilvolle hölzerne Inneneinrichtung. Das Frühstück ist leider nur mittelmäßig, berühmt ist das Kaffeehaus auch eher wegen seines Kuchenangebots.

Durch die Gassen schlendern wir zum Parlamentsgebäude, das derzeit von einer großen Baustelle umgeben ist. Im gegenüberliegenden Ethnologischen Museum kaufen wir Tickets für die 11:45 h Führung. Die verbleibende Wartezeit überbrücken wir mit einem Bummel durch die Gassen des Parlamentsviertel. Hier gibt es einige Galerien und Antiquitätengeschäfte. Einige sehr hübsche Fassaden mit Jugendstilelementen wechseln sich mit einfachen Fassaden ab.

Das Parlament ist das größte Bauwerk des Landes. Im neogotischen Stil wurde es 1885 – 1904 errichtet. Das 268 m lange Gebäude ist 96 m hoch und hat 691 Räume. Im Kuppelsaal werden Ungarns Kronjuwelen ausgestellt. Die Besichtigung sollte man sich nicht entgehen lassen.

Parlamentsgebäude in Budapest
Parlamentsgebäude

Unser nächstes Ziel ist die St. Stephans Basilika. Der überwiegend im Stil der Neo-Renaissance erbaute Kirchenbau wurde 1906 eingeweiht. In der Kapelle wird als skurrile Reliquie die mumifizierte Hand des Heiligen Stephan aufbewahrt. Bemerkenswert sind der geschmückte Hauptaltar sowie die schöne Kuppel. Auch hier ist im Innenraum viel Gold zu finden.

Dem Prachtboulevard Andrassy Ut folgen wir erneut bis zum Kodaly –Platz. Etwas entfernt von den Nobelboutiquen gibt es auch einige nicht so gut erhaltene Fassaden.

Auf der Suche nach Hungaroton, einem Schallplattenlabel, gehen wir zur Rottenbilla-Straße, müssen aber feststellen, dass die Produktion inzwischen insolvent ist. Einen weiteren Schallplattenladen gibt es in der Dob Ut bei der großen Synagoge. Bei Concerto Records erstehen wir zu Schnäppchenpreisen einige Schallplatten (www.lpcorner.com).

Zum Abschluss laufen wir durch das Jüdische Viertel. Hier gibt es jüdische Geschäfte und ein breites kosheres Angebot an Restaurants, Metzgereien, Pizzerien und vielem mehr. Anschließend besichtigen wir die große Synagoge, die größte in Europa.

Synagoge im Jüdischen Viertel in Budapest
Synagoge im Jüdischen Viertel in Budapest

Der im byzantisch-maurischen Stil prachtvoll errichtete Bau kann bis zu 3.000 Gläubige fassen. Nach orthodoxer Tradition wurden Emporen für die Frauen errichtet. Das Holocaust-Mahnmal „Trauerweide“ erinnert an die 600.000 Juden, die Opfer des Holocaust in Ungarn wurden.

Mit dem Taxi lassen wir uns anschließend auf den Burgberg hinauffahren. Ziel ist das Mayor Borok Haza, das Haus des ungarischen Weins, das gegenüber dem Hilton Hotel an der Matthiaskirche liegt. Das Haus repräsentiert alle 22 Anbaugebiete des Landes und hat rund 700 verschiedene ungarische Weine auf Lager. So kommen wir auch in den Genuss der bekannten Tokajer-Weine. Die Weinprobe im einladenden, großen Keller, ist absolut lohnenswert. Bei der Top-Weinprobe werden sieben Weine auf Spitzenlevel kredenzt, so u.a. der Bock Merlot, der im Verkauf über 100 EUR kostet und ein edler Tokajer. Ein wahrer Genuss im stimmungsvoller Atmosphäre und einer guten Weinvorstellung.

Zum Abschluss unseres kurzen Budapest-Aufenthalts speisen wir abends ganz vorzüglich im Restaurant Mak, das Spitzenqualität (15 Gault Millau Punkte) bietet.

Freitag, 12.07.2013 Pannonhalma

UNESCO Weltkulturerbe

Unser letztes Ziel in Ungarn ist die 130 km von Budapest entfernt liegende Erzabtei Pannonhalma (Martinsberg). Das Benediktinerkloster wurde bereits 996 errichtet und ist das älteste Kloster Ungarns. Zum 1.000 jährigen Bestehen wurde es 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Heute leben noch knapp 50 Mönche hier. Zum Kloster gehört ebenfalls eines der angesehensten Schulinternate Ungarns. Besonders sehenswert ist die wunderschöne Bibliothek, die etwa 400.000 Bücher umfasst.

Erzabtei Pannonhalma
Bibliothek im Benediktinerkloster Pannonhalma

Damit verlassen wir Ungarn. Langsam neigt sich unser Urlaub dem Ende entgegen. Die letzten beiden Tage wollen wir noch mit Wanderungen verbringen. Unser Ziel ist Reit im Winkl im oberbayerischen Landkreis Traunstein, kurz hinter der österreichischen Grenze. Bekannt geworden ist die der Ort durch die Ski-Olympia-Siegerin Rosi Mittermeier „Gold-Rosi“, die hier 1950 geboren wurde. Das Berg- und Skidorf liegt auf 695 m Höhe in den bayerischen Alpen und zählt zu den führenden Luftkurorten und Wanderparadiesen.

Samstag, 13.07.2013 Reit im Winkl

Um auf die bekannte Winklmoosalm zu wandern, starten wir von Parkplatz Seegatterl aus. Ein gut ausgebauter Wanderweg führt hinauf auf das Hochplateau auf knapp 1.200 m Höhe. Mit der Dürrnbachhorn Nostalgie-Sesselbahn aus dem Jahre 1959 fahren wir hinauf zum Dürrnbachhorn. Die mit Einsitzer Sesseln ausgestattete Sesselbahn überwindet 410 m Höhenmeter. Die spektakuläre Fahrt dauert ca. 10 Minuten und bietet tolle Landschaftseindrücke der Berglandschaft. Auf der Bergstation in 1.610 m Höhe angekommen klettern wir hinauf zum Gipfelkreuz vom Dürrnbachhorn auf 1.778 m. Nach dem nicht ganz einfachen Aufstieg werden wir mit einem traumhaften Blick belohnt.

Abends speisen wir ganz passabel im Restaurant des ****S Hotels Unterwirt.

 

Sonntag, 14.07.2013 Reit im Winkl

Bevor wir die Heimfahrt antreten bleibt noch Zeit für eine Wanderung. Von Reit im Winkl laufen wir hinauf zur Hindenburghütte. Der Aufstieg beginnt an der bereits 1923 erbauten 90 m langen Franz-Haslberger-Schanze. Der Weg ist nicht ganz einfach (ohne Wanderschuhe) zu meistern.

Die Hindenburghütte ist am heutigen Sonntag gut besucht, wobei die wenigsten den Weg zu Fuß absolvierten. Zum Frühshoppen mit Musik gibt es einen regelmäßigen Busverkehr. Interessant ist das LOWA-Testcenter, das es hier oben gibt. Hier kann man Wanderschuhe unter realen Bedingungen testen und einige Stunden damit wandern. Leider fehlt uns hierfür die Zeit. Wir wandern wieder hinab nach Reit im Winkl. Nach einer kurzen Stärkung machen wir uns auf den Heimweg. Damit endet unser schöner und erholsamer Urlaub.

 

>> Zum Donau-Radweg-Reisebericht