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Norwegen im Winter: Schnee und Nordlichter

Nordlichter in Norwegen
Reiseeindrücke März 2017

Allgemeines

Tromsø (69° 39′ N, 18° 57′ O) gilt als Tor zur Arktis und liegt 344 km (Luftlinie) nördlich des Polarkreises (66° 33′ 55″). Dies entspricht der geographischen Breite von Nord-Alaska.

Norwegen, dessen Längsrichtung 1.790 km beträgt, hat gerade einmal gut fünf Millionen Einwohner. Die breiteste Stelle misst 430 km, teilweise liegen nur zwei Kilometer zwischen dem Meer und der Landesgrenze. Auf dem Weiterflug von Oslo nach Tromsø sehen wir schneebedeckte Berge, großflächige unbewohnte Regionen und viel Wasser. Die Küstenlinie Norwegens beträgt 2.532 km. Die Länge verzehnfacht sich fast auf 25.148 km, zählt man sämtliche Buchten und Fjorde hinzu.


Sonntag, 19.03.2017 Anreise über Oslo nach Tromsø

Von Deutschland kann man aktuell nicht direkt nach Tromsø fliegen. Wir fliegen ab Frankfurt etwas zwei Stunden nach Oslo. Der Weiterflug von Oslo dauert weitere zwei Stunden. Am frühen Abend erreichen wir Tromsø. Die Fahrt vom Flughafen in das kleine Stadtzentrum auf der Insel Tromsøya dauert nur etwa eine Viertelstunde.

Tromsø - Norwegen

Mit 2.558 km² (davon 1.434 km² auf dem Festland und 1.124 km² auf mehreren Inseln vor der Küste) ist Tromsø die flächengrößte Stadt Norwegens und etwa so groß wie das Saarland. Zudem ist die Stadt mit gut 70.000 Einwohnern die bei Weitem größte in Nordnorwegen und darüber hinaus auch die bevölkerungsreichste nördlich des nördlichen Polarkreises. Damit der Superlative noch nicht genug. Tromsø ist ebenfalls die am nördlichsten gelegene Universitätsstadt der Welt. An die 10.000 Studenten leben hier und prägen das Stadtbild. So gibt es eine Menge Pubs und Cafés - am sonntäglichen Abend allerdings weniger gut besucht.

 

Montag, 20.03.2017 Tromsø - Malangen Resort

Viele Inseln, Berge und Fjorde Rahmen die Stadt ein. Mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Eismeerkathedrale, beginnen wir die Erkundung der Stadt.

Tromsøbrua
Tromsøbrua

Hierzu müssen wir zunächst die 1.036 m lange Tromsøbrua (Tromsø Brücke) überwinden. Man hat einen schönen Ausblick auf die Stadt. Auf der anderen Uferseite zieht die 35 m hohe Front der bizarr anmutenden Eismeerkathedrale (eigentlich Tromsdalen kirke) unseren Blick auf sich. Die evangelisch-lutherische Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt Tromsø - allerdings keine "echte" Kathedrale, d. h. Bischofskirche. Sie wurde 1965 auf der Festlandseite der Stadt auf einem kleinen Hügel am Ortsrand erbaut.

Eismeerkathedrale in Tromso (eigentlich Tromsdalen kirke)
Eismeerkathedrale (eigentlich Tromsdalen kirke)

Beim Entwurf hat sich der Architekt von den Holzgestellen, die zum Trocknen von Stockfisch genutzt werden, inspirieren lassen. Die unsymmetrische Dachrinne symbolisiert Gletscherspalten und die Glasflächen stehen für Polarlicht und Mitternachtssonne. Der Entwurf sah ursprünglich keine bunten Glasfenster vor. Diese wurden nachträglich eingesetzt, da an sonnigen Tagen die Kirchenbesucher Sonnenbrillen tragen mussten. Mit diesem größten Glasmosaikfenster Europas erhielt die Stadt einen weiteren Superlativ.

Hinter der Kathedrale erhebt sich der Hausberg Storsteinen. Mit der Fjellheisen Seilbahn könnte man auf den etwa 400 m hohen Berg hinauf fahren und bei schönem Wetter die Aussicht auf den Sund und die Stadt genießen.

Ein weiteres kurioses Gebäude ist das Polaria, das Eisschollen, die vom rauen, arktischen Meer an das Land geschoben wurden, symbolisiert. In dem sogenannten Erlebniszentrum gibt es ein Glastunnel-Aquarium. Zweimal täglich kann man den Bartrobben bei der Fütterung zusehen. Neben weiteren Exponaten rund um das Leben in der Polarregion gibt es ein Panoramakino, in dem interessante Filme über Spitzbergen sowie über Polarlichter gezeigt werden.

Polaria Erlebniszentrum in Tromso
Polaria Erlebniszentrum und Polstjerna

Im 18. Jahrhundert war die Stadt Stützpunkt für Wal- und Robbenfänger. Ein typisches Schiff aus der Zeit - die Polstjerna - ist im nebenstehenden Glasgebäude zu sehen.

Natürlich lassen wir es uns nicht entgehen, das Pub der Brauerei Mack aufzusuchen, das ganz in der Nähe liegt. Die 1877 von dem Deutschen Ludwig Mack gegründete Brauerei - die nördlichste der Welt - hat ihren Betrieb, in dem früher bis zu 320 Menschen beschäftigt waren, inzwischen verlegt, kann aber besichtigt werden. Wir beschränken uns auf das Pub, in dem man zahlreiche frisch gezapfte Biere probieren kann.

Die Stadt, die im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, wird von zahlreichen zum Teil bunt bemalten Holzhäusern geprägt.

Tromsø war Ausgangspunkt zahlreicher Arktisexpeditionen, wie beispielsweise von Nansen und Amundsen. Im Polarmuseum erhält man einen sehr lohnenswerten Einblick in diese Zeit samt Ausrüstung und Originaldokumenten. Außerdem wird über die Robben-, Eisbären-, und Polarfuchsjäger berichtet.

Abends werden wir abgeholt und zum etwa 70 km südlich der Stadt Tromsø liegenden Malangen Resort gefahren. Der bis zu 6 km breite und bis zu 450 m tiefe Fjord erstreckt sich über eine Länge von rund 60 km und ist streng genommen noch kein Fjord, sondern ein Sund, also eine Meeresenge um Inseln herum. Ein Fjord hingegen ist ein Meeresarm, der weit ins Festland hineinreicht. Er endet am Festland in einer großen Bucht.

Die nächsten drei Nächte verbringen wir im Malangen Resort. Aus dem gemütlich eingerichteten Hotelzimmer blicken wir auf den Fjord in die dahinter aufragenden schneebedeckten Berge.

Malangen Resort
Blick vom Malangen Resort auf den Sund

Tagsüber stehen eine Schneeschuhwanderung und eine Hundeschlitten-Tour auf dem Programm. Das Wetter spielt mit und wir können die wunderschöne unberührte Landschaft genießen. Sonnenbrille und Thermokleidung (wurde gestellt) sind für den unbeeinträchtigten Genuss ein Muss. Das Resort hat ebenfalls eine typische skandinavische Sauna. Aus dem Panoramafenster hat man einen schönen Ausblick über den Fjord. Eine Abkühlung im Schnee gehört selbstverständlich zu diesem Erlebnis dazu. Nur an geeigneten Ruheräumen fehlt es nach unserem Verständnis vom erholsamen Saunieren.

Nordlicht - Aurora borealis - Polarlicht: So wird das spektakuläre Naturschauspiel, das zu sehen Absicht dieser Reise ist, auf der Nordhalbkugel bezeichnet. Auf einer geführten Polarlichter-Tour erfahren wir Details über die Entstehung dieses spektakulären Naturschauspiel. Polarlichter entstehen (kurz gefasst) durch Sonnenwinde, die nahe der geometrischen Pole entlang der Magnetfeldlinien der Erde in die obere Atmosphäre eindringen und die dortigen Luftteilchen zum Leuchten bringen. Die Lichter können sich über einige 100 Kilometer ausdehnen und verschiedene Farben haben. Das menschliche Auge nimmt Farben in der Dunkelheit nur begrenzt wahr.

Trotz stundenlangen Ausharrens und einer stets auslösebereiten Kamera zeigen sich die Lichter nicht. Dafür können wir beobachten, wie der anfangs noch wolkenverhangene Himmel nach und nach aufklart und ein wunderschön klarer Sternenhimmel erscheint.

Nordlicht - Aurora borealis - Polarlicht

Am zweiten Abend haben wir mehr Glück und dürfen etwa zwei Stunden lang das Wechselspiel am Himmel beobachten. Ein absolut fantastisches Erlebnis, bei dem die Zeit wie im Fluge vergeht.

Am darauffolgenden Tag erleben wir, wie schnell sich das Wetter ändern kann. Morgens genießen wir bei strahlend blauem Himmel die unberührte Schneelandschaft. Nachmittags sonnen wir uns auf der Hotelterrasse bis die zunehmende Bewölkung überhand nimmt und abends wollen wir bei anhaltendem Schneefall das Hotel gar nicht mehr verlassen. Trotz prognostiziert hoher Wahrscheinlichkeit, erneut Nordlichter zu sehen, bleibt der Himmel verschlossen.

 

Donnerstag, 23.03.2017 Malangen - Tromsø

Bei anhaltendem Schneefall werden wir morgens zurück nach Tromsø gefahren. Auch hier ist es stark bewölkt. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir zum Northern Lights Planetarium (Nordlysplanetariet), das sich auf dem Universitätscampus befindet. Wieder einmal wird deutlich, wie teuer Norwegen ist. Für die etwa vier Kilometer lange Strecke zahlen wir pro Einzelticket über fünf Euro. Die Ausstellung informiert beispielsweise über Wetterphänomene, das Sonnensystem, Klimaveränderung, Umweltverschmutzung der Meere (Mikroplastik), den Sternenhimmel und natürlich die Nordlichter. Im Planetariumsaal, dessen Kuppel einen Durchmesser von 12,2 m hat, wird ein 25 minütiger Film über die Nordlichter gezeigt.

Nachmittags genießen wir bei inzwischen sonnigem Himmel den kleinen Welnessbereich des Hotels. Besonders nett ist der Blick aus dem Außen-Whirlpool über den Stadthafen.

Für den Abend stand eigentlich eine Nordlicht-Schifffahrt auf dem Programm. Als sich herausstellt, dass wir die einzigen Gäste wären, nehmen wir das Umbuchungsangebot auf eine Tagestour angesichts des anhaltenden Schneefalls und der geringen Nordlicht-Erfolgsaussichten gerne an.

 

Freitag, 24.03.2017 Ramfjord

Die dreieinhalbstündige Schifffahrt führt uns zum Ramfjord, ein östlicher Nebenarm des Balsfjord. Dieser etwa 15 Kilometer lange Fjord ist sehr schmal und entspricht eher unseren Vorstellungen eines Fjords. Im Norden Norwegens sind diese ansonsten so breit, dass sie kaum als solcher zu erkennen sind.

Am Einlass zum Fjord liegt der ehemalige NATO-Marinestützpunkt Olavsvern. Aus dem Schiffslautsprecher ertönt die Titelmusik des Bond Films "Man lebt nur zweimal" und erinnert daran, dass Szenen des Films hier gedreht wurden. Seit den 50er Jahren war die U-Boot-Basis Olavsvern ein Hochsicherheitsgebiet der norwegischen Marine und streng geheim gewesen. Der Bau der Anlage in Zeiten des Kalten Krieges kostete angabegemäß rund 4 Milliarden norwegische Kronen, die meisten davon bezahlt durch die NATO, mit der verbundenen Verpflichtung zur Unterstützung der Alliierten. In einen Berg gehauen und mit direktem Meerzugang verfügte die bombensichere Anlage unter anderem über einen U-Boot-Hangar, ein eigenes Tunnelsystem und rund 25.000 Quadratmeter Landfläche sowie 3000 Quadratmetern Tiefsee-Kai. Von Außen ist nur die Tunneleinfahrt zu erkennen. 2009 entschied sich das norwegische Parlament zur Schließung und öffentlichen Versteigerung der Basis. Für einen Spottpreis wurde die Station verkauft. Doch nun beherbergt Olavsvern russische Forschungsschiffe.

Der Ramfjord hat eine Eingangsschwelle und erhält aus Flüssen eine Frischwasserzufuhr. Der dadurch bedingte hohe Süßwasseranteil des Fjords lässt diesen im Winter teilweise zufrieren.

Ramfjord - zugefroren
Ramfjord

So taucht schon bald vor uns eine weiße, flache Schneedecke über dem Wasser auf.  Diese entpuppt sich aus der Nähe als Eisfläche. An der Bruchkante treiben einige Eisschollen und lassen unsere Erinnerungen an eine Fahrt durch das Packeis auf der antarktischen Halbinsel wach werden. Dahinter erheben sich schneebedeckte Berge und bieten einen grandiosen Anblick.

Die Schifffahrt war ein schöner Abschluss unseres ersten Norwegen-Erlebnisses. Nachmittags fliegen wir weiter nach Stockholm.

>> zum Stockholm-Reisebericht

Letzte Aktualisierung: April 2017 - © Anke Schlingemann und Detlef Hälker