Kroatien-Rundreise - Istrien

September 2011

Samstag, 03.09.2011 Radstadt (AT) - Istrien: Motovun - Visinada - Rovinj

Am gestrigen Abend sind wir bereits bis nach Österreich gefahren und haben damit nun schon die Hälfte der Fahrtstrecke absolviert. Aus dem Zimmer unseres kleinen etwas abseits gelegenen Gästehauses in Radstadt/Obertauern haben wir einen wunderschönen Blick auf die Berglandschaft. Der Urlaub hat begonnen! Nach dem Frühstück fahren wir bei strahlendem Sonnenschein und einem mystisch anmutendem Bodennebel im Tal los.

Gäbe es keine Vignettenpflicht für Slowenien würde man kaum bemerken, dass man Österreich schon wieder verlassen hat und durch die hügelige Gebirgslandschaft von Slowenien fährt. Auf der Fahrt durch Slowenien kommen Erinnerungen an unseren gut zwei Jahre zurück liegenden hier verbrachten Urlaub hoch. Im Geiste lassen wir die Erlebnisse noch einmal Revue passieren.

Knapp 100 km vor dem geplanten Tagesziel verlassen wir die Autobahn. Im Cabrio genießen wir die schöne Landschaft, die an uns vorbeizieht. Inzwischen sind wir in Istrien, der größten Halbinsel an der Adria, angekommen. Neben Italien rund um Triest gehört auch ein schmaler Streifen zu Slowenien, den größten Teil Istriens beansprucht jedoch Kroatien.

Bei Buzet passieren wir die Grenze. Schon von weitem ist das auf einem Berg im inneren Istrien thronende Gebirgsstädtchen Motovun zu sehen. Hier legen wir einen Zwischenstopp. Durch enge von alten Steinhäusern eingerahmte Gassen und einem Torbogen gelangen wir zur Kirche Sveti Stjepan. Im Reiseführer wurden hierzu die Fresken aus dem 17. Und 18. Jh. erwähnt, die wir weniger bemerkenswert finden. Sehr schön ist allerdings ein Gang über die alte Stadtmauer. Von hier aus hat man einen grandiosen Ausblick über das Mirnatal.

Istrien - Motovun
Motovun - Blick ins Mirnatal

Ein weiterer kleiner Umweg gilt dem Ort Visinada, den ein für diesen kleinen Ort etwas überdimensionierte Pfarrkirche prägt. Morbider Charme zeichnet die Fassade. Ins Innere können wir aufgrund einer gerade hier stattfindenden Hochzeit nur einen flüchtigen Blick werfen. Bemerkenswert ist der nebenstehende venezianische Campanile aus der Barockzeit. Italienische Spuren sind auch bei den umstehenden alten Häusern zu erkennen. Der Zustand der Häuser lässt allerdings einen großen Unterschied zu kleinen Orten in Italien erkennen.

Visinada - Istrien - Kroatien
Visinada

Bis zu unserem Tagesziel Rovinj an der Adria-Küste sind es nur noch knapp 40 km zu fahren.

Die Landverbindung zwischen dem Küstenort Porec und Rovinj wird von dem 12 km langen Limski Kanal unterbrochen. Eine Verbindung gibt es nicht, so dass man weit im Landesinnern ausweichen muss. Von einem Aussichtspunkt haben wir einen schönen Blick auf das grün leuchtende Paradies für Wassersportler. Die Händler, die hier ihre Stände mit istrischen Spezialitäten aufgebaut haben, überlassen wir den eingetroffenen Bustouristen. Selbige sind wie wir beobachten sehr aufgeschlossen, bei über 30°C einen der angebotenen Grappa zu probieren.

Limski Kanal - Istrien - Kroatien
Blick auf den Limski Kanal

Die Silhouette von dem Küstenstädtchen Rovinj mit dem daraus herausragenden Campanile können wir bereits erkennen. Nur wenige Kilometer vor dem Ort werden an sogenannten „Tourist Infos“ Quartiere angeboten. Da Übernachtungen in Rovinj teuer und teilweise sehr laut sein sollen, wollen wir etwas außerhalb nächtigen. Die ersten Versuche bei etwas netteren Quartieren scheitern mangels Verfügbarkeit. Glück haben wir schließlich bei einem in der Nähe gelegenen Appartementhaus. Hier beziehen wir für die nächsten drei Nächte ein großzügiges, wenn auch simpel eingerichtetes Appartement. Vom Balkon können wir sogar einen Teil von Rovinj sehen, wo wir nachdem wir unser Gepäck verstaut haben hinfahren. Das Auto parken wir für 5 Kuna/h direkt am Hafen und schlendern an den Booten vorbei. Mit Blick auf die kleine Hafenbucht und die umliegenden Häusern sowie der auf dem Hügel thronenden Basilika Sveta Eufemija genießen wir einen Willkommens-Aperitif.

Rovinj mit seinen 13.000 Einwohnern blickt auf eine über 1.000 jährige Geschichte zurück, die von Italien und auch Österreich-Ungarn bestimmt wurde. Insbesondere der italienische Einfluss prägt deutlich das Stadtbild.

Rovinj - Istrien
Rovinj mit Blick auf den Campanile der Basilika Sveta Eufemija

Anschließend schlendern wir durch die engen Altstadtgassen. In den Kopfstein gepflasterten Gassen herrscht buntes Treiben. In vielen kleinen Geschäften wird Kunsthandwerk, typische Souvenirs, Kleidung und reichlich Schmuck angeboten. Die Häuser sind direkt ans Wasser gebaut, so dass es leider keinen Weg am Wasser entlang gibt. Die wenigen Durchgänge zwischen den Häusern werden vielfach von Geschäften als originelle Ausstellungsfläche genutzt.

Inzwischen meldet sich unser Hunger. Möglichkeiten zu speisen gibt es viele. Die im Reiseführer angegebenen Tipps lassen sich mangels Stadtplan und fehlender Geduld nicht umsetzen, so dass wir uns ein nett aussehendes Restaurant aussuchen. Auf der Terrasse am Meer sitzen wir zunächst noch alleine, doch weitere Gäste kommen wenig später. Das Essen ist gut, wenn auch für unseren Geschmack etwas überteuert. Ein toller Blick und ein leckerer kroatischer Weißwein gleicht dies wieder aus. Gegen acht Uhr dämmert es und schon bald ändert sich das Bild der abendlichen Stimmung in eine Nachtszene.

Anschließend schlendern wir erneut durch die immer noch belebten Gassen hinauf auf den Kirchenhügel. Die Basilika hat noch geöffnet und bietet nur schwach beleuchtet eine besondere Atmosphäre. Von Kirchplatz aus hat man einen schönen Blick auf das Lichtermeer der Stadt. Am Hafen tummeln sich weitere Künstler und bieten Bilder, Scherenschnitte oder handgefertigten Schmuck an. Die Hafengastronomie hat sich inzwischen gut gefüllt. Offensichtlich speisen viele Gäste im Hotel und neben hier anschließend noch einen Drink ein. Bei uns überwiegt die Müdigkeit. So fahren wir zurück zum Appartement. zuruek

 

Samstag 04.09.2011: Limski Fjord – Porec – Jama Baredine – Rovinj

Ein sonniger Morgen erwartet uns. Noch haben wir nichts zum Frühstücken eingekauft und planen, dieses in Porec einzunehmen. Einen Halt legen wir erneut am Limski Fjord ein, fahren diesmal allerdings direkt ans Wasser. Um diese noch relativ frühe Stunde wird hier erst noch alles für den erwarteten Touristenansturm aufgebaut. Boote stehen zum Verleih bereit und auch an Gastronomie für die hier rastenden Bootstouristen fehlt es nicht. Das Navigationsgerät führt und über eine zusehends enger und schlechter werdende Straße zurück zur Hauptstraße. Kurz vor dem Ziel stellen wir fest, dass wir das Sackgassen-Schild besser nicht hätten ignorieren sollen. Nur wenige Meter trennen uns von der Hauptstraße. Diese zu passieren bedarf es allerdings eines bei unserem Cabrio nicht vorhandenen Vierradantriebs. Also fahren wir einige hundert Meter rückwärts bis zur nächsten Wendemöglichkeit und dann die bekannte Strecke zurück zur Hauptstraße.

Porec liegt ebenfalls malerisch an der Küste. Eine Stadtmauer rahmt die Altstadt ein. Wir suchen uns zunächst ein Café zum Frühstücken. Es wundert nicht, dass auch diesbezüglich der italienische Einfluss deutlich wird. Ein Croissant zu bekommen ist gerade noch möglich, viel weiter reicht das Frühstücksangebot allerdings nicht. Dafür schmecken Cappuccino und Latte Macchiato genauso gut wie in Italien.

Altstadt von Porec
Altstadt von Porec mit Stadtmauer

Auf dem Decumanus, der 2.000 Jahre alten Hauptstraße, ist viel Leben. In venezianisch anmutenden Stadthäusern und kleinen Stadtpalais bieten Boutiquen und Kunstgalerien ihr Angebot dar. Sehr schön sind auch die alten Tortürme. Wir besteigen den Peterokutna Kula, in dem sich ein Restaurant befindet. Von der Dachterrasse hat man einen sehr schönen Blick über die Dächer und die Küste. Das besondere Highlight der Stadt ist sicherlich die Euphrasius-Basilika. Doch zunächst müssen wir uns mit dem Anblick des Mosaik-geschmückten Eingangsportals begnügen, da selbige heute erst um 13:00 h geöffnet hat. Wir schlendern noch etwas über die kopfsteingepflasterten Gassen und genießen später auf der Kaimauer sitzend den Blick auf das Meer.

UNESCO WeltkulturerbeDie Euphrasius-Basilika wurde zu Recht von der UNESCO 1997 auf die Liste des Welterbes aufgenommen. Zunächst betritt man ein quadratisches Atrium. Verlässt man das weniger gut erhaltene Baptisterium blickt man auf die von Mosaiken geschmückte Fassade der Basilika. Das Besondere an dem dreischiffigen Kirchenbau aus dem 6. Jh. ist der Chorbereich mit drei Apsiden. Die mittlere Apsis wird von einem leuchtenden Mosaik auf Goldgrund geschmückt.

Porec - Mosaiken in der Euphrasius Basilika
Porec - Mosaiken in der Euphrasius Basilika

Ein wenig schade empfinden wir, dass der ebenfalls Mosaik geschmückte Baldachin über einem nicht als solches zu erkennenden Silberaltar den freien Blick verstellt. Doch der Gesamteindruck ist fantastisch. Damit beenden wir unseren Porec-Besuch.

Nicht nur Lidl und Kaufland haben sich auf der istrischen Halbinsel etabliert, auch ein dm-Markt lockt deutsche Touristen. Die Öffnungszeiten wurden den örtlichen angepasst, so dass wir auch am heutigen Sonntag kein Problem haben, uns einzudecken. Beim Angebot an Alnatura-Bioprodukte hat man sich gar nicht erst die Mühe gemacht, eine kroatische Übersetzung aufzudrucken. Diese werden eins zu eins wie in Deutschland verkauft. So finden wir sicher ein Müsli für die nächsten Frühstücke. In einem Supermarkt erstehen wir noch etwas frisches Obst und Milch.

Der Himmel zeigt sich inzwischen nicht mehr ganz wolkenlos. Als wir die Ausschilderung zur Jama Baredine sehen, folgen wir dieser spontan. Die 40 minütige Führung durch die Tropfsteinhöhle offenbart eine Pracht an Stalagtiten und Stalagmiten. Über enge Treppen steigt man hinab, passiert einige Säle. Die letzte Etappe ist ein 66 m tief liegender Höhlensee, in dem der blinde Grottenmolch lebt.

Jama Baredine (Tropfsteinhöhle)
Jama Baredine (Tropfsteinhöhle)

Zurück im Appartement machen wir erst einmal Siesta, bevor wir erneut mit dem Auto nach Rovinj fahren. Zielsicher finden wir heute das von uns ausgewählte und im Reiseführer empfohlene Restaurant Monte unterhalb der Basilika, doch leider hat man dort keinen Tisch mehr für uns. Als Alternative begnügen wir uns heute mit einem eher einfachen italienischen Restaurant bei schönem Blick von der Terrasse auf die Küste. Inzwischen sind einige dunkle Wolken am Himmel aufgezogen und in der Ferne sind Blitze zu sehen. Unsere heutige abendliche Runde fällt wegen Müdigkeit eher kurz aus. zuruek

 

Montag, 5.09.2011 Pula - Rovinj

Auch am heutigen Morgen ist es noch bewölkt. Unser Frühstück auf dem Balkon müssen wir aufgrund starken Gewitterregens kurzerhand nach Innen verlegen. Doch bereits nach einer halben Stunde ist der Zauber vorbei.

Die Idee, angesichts des unbeständigen Wetters heute nach Pula zu fahren, hatten wir nicht allein. Bereits einige Kilometer vor dem Ort staut es sich und der empfohlene Parkplatz am Platz der Republik ist voll. Nach einigem Suchen parken wir mit einem etwas mulmigen Gefühl in einer Seitenstraße neben der ummauerten Werftanlage. Zunächst erreichen wir den Danteplatz mit einem kleinen Brunnen und der kleinen Kirche der Klarissinnen. Die nicht weit hiervon entfernt liegende Kapelle Santa Maria Formosa ist ein Überbleibsel einer großen frühbyzantinischen Abtei-Basilika. Etwas versteckt hinter einem Parkplatz liegend erreichen wir das komplett erhaltene römische Mosaik aus dem 2./3. Jahrhundert, das hier bei Bauarbeiten entdeckt wurde.

Sehr gut gefällt uns in der spätromanischen-frühgotischen Franziskanerkirche mit einem sehr schönen doppelstöckigen Kreuzgang und einem bemerkenswerten Altaraufsatz.

Pula - Franziskanerkloster
Pula - Franziskanerkloster

Über verwinkelte Gassen steigen wir hinauf zum Kastell. Von hier hat man einen sehr schönen Überblick über die mit etwa 70.000 Einwohnern größte Stadt Istriens. Das Stadtbild ist durchaus von Industrie geprägt und bietet keinen überragend schönen Gesamteindruck. Die hohen Kräne der größten Schiffswerften Kroatien ragen gen Himmel. In der Ferne ist das ovale Amphitheater zu sehen.

Am Kapitolsplatz, dem ehemaligen römischen Forum, nehmen wir in dem Café Galerija Cvajner eine kleine Erfrischung ein. Ein Blick in den Innenraum mit Fresken an den hohen Wänden, einer dicken Tresortür sowie plüschiger Ausstattung lohnt sich.

Sehr gut erhalten ist der kleine Podiumstempel (Tempel der Roma und des Augustus) am römischen Forum. Die korinthischen Säulen sind sehr gut erhalten. Auch das nebenstehende Rathaus mit Arkadenvorhalle lohnt einen Blick.

Nach einer Kurzbesichtigung der Kathedrale Maria Himmelfahrt mit einem italienisch geprägten Campanile gehen wir durch die stark frequentierten Gassen weiter zum Amphitheater. Von dem 130 m langen und 105 m breiten elliptischen Theater ist heute noch die äußere Rundbögen-Mauer bis zu einer Höhe von 30 m erhalten. Nachdem wir bereits wesentlich besser erhaltene Theater beispielsweise in Nimes oder Orange gesehen haben, sind wir von diesem hier eher enttäuscht und finden die verhältnismäßig hohen Eintrittspreise (40 Kuna) überteuert.

Pula - Arena
Pula - Arena

Erwähnenswert ist noch der gut erhaltene Triumpfbogen am Rande der Altstadt. Ein letzter Besuch gilt der Markthalle aus Gusseisen und Glas, die nachmittags allerdings schon geschlossen hat. Damit beenden wir unsere Pula-Besichtigung. Die Stadt hat aus unserer Sicht wenig Charme und kann bei weitem nicht mit Porec oder gar Rovinj mithalten.

Nach einer kurzen Siesta fahren wir erneut nach Rovinj. Die letzten Sonnenstrahlen, die immer wieder von Wolken verdeckt werden, wollen wir für eine kleine Fototour nutzen. Am Hafen sorgt ein großes Kreuzfahrtschiff, das heute angelegt hat, für Aufmerksamkeit. Erneut schlendern wir durch die engen und verwinkelten Gassen hinauf zur Basilika Sventi Eufemija. Ihr 61 Meter hoher Campanile wurde nach dem Vorbild von San Marco in Venedig erbaut.

Rovinj - Basilika Sveta Eufemija
Rovinj - Basilika Sveta Eufemija

Etwas unterhalb der Basilika liegt das Restaurant Monte, wo wir für heute Abend einen Tisch reserviert haben. Wir speisen vorzüglich - die Küche ist Sternewürdig - in einem modernen und geschmackvollen Ambiente. Die starken Regenschauer, die auf das Dach prasseln, können den Genuss nicht mindern. Es gibt so ausgefallene Zubereitungen wie Emulsion vom Seeigel oder Staub von istrianische Panzetta und Anis. Das Dessert wird von hauchdünnen Schokoladen-Stückchen mit rotem Pfeffer, Orangenstücken oder weißer Schokolade mit Kräutern gekrönt. Natürlich isst das Auge mit. So werden Kräuterkräcker auf einem Olivenzweig drapiert; Öl, Butter und Salz finden in präparierten Steinen ihren Platz und die Gerichte werden liebevoll dekoriert auf ausgefallenen Tellern angerichtet. Ein wahrer und äußerst empfehlenswerter Genuss für alle Sinne.

Auf dem Rückweg zum Auto müssen wir uns vor einem starken Regenschauer unterstellen und können beobachten, wie das Kreuzfahrtschiff schon wieder ablegt. Helle Blitze erleuchten den Himmel. Erfreulicherweise ist das Gewitter aber noch weit entfernt. zuruek

>> Fortsetzung: Dalmatien

 

Letzte Änderung September 2011 © Anke Schlingemann & Detlef Hälker