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Italien

Friaul & Südtirol

Im Anschluss an eine schöne Slowenien-Rundreise (>> zum Slowenien-Reisebericht) besichtigen wir noch einige Orte im Friaul sowie in Südtirol.

 

Sonntag, 02.08.2009 Hrastovlje - Triest - Grado

Von Slowenien kommend fahren wir über die italienische Grenze und erreichen nach weiteren 10 km die historisch geprägte Hafenstadt Triest*, die Hauptstadt des Friaul. Nicht zuletzt durch ihre jahrhundertelange Verbundenheit mit Österreich (1382-1918) wurde die Stadt zu einer wohlhabenden Handels- und Finanzmetropole. Durch den Versailler Vertrag fiel sie zusammen mit Istrien an Italien, was aufgrund des Wegfalls des riesigen Hinterlandes der Donaumonarchie einen wirtschaftlichen Niedergang bedeutete. Unter deutscher Herrschaft wurde in Triest von den Nationalsozialisten das einzige Konzentrationslager auf italienischem Boden errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Triest zunächst unter englisch-amerikanischer Verwaltung und kam erst 1954 wieder zu Italien. Das Zentrum liegt in der Unterstadt.

Wir beginnen unsere Stadtbesichtigung am Piazza dell'Unita d'Italia*, der von Palästen unterschiedlichster Stilrichtungen eingerahmt wird. Der Palazzo Communale mit seinem kleinen Turm und reliefreichen Fassade beherrscht die Schmalseite des Platzes.

Palazzo Communale / Piazza dell'Unita d'Italia / Triest
Palazzo Communale am Piazza dell'Unita d'Italia

Davor steht ein Brunnen, der die damals bekannten vier Kontinente darstellt. Durch eine Passage erreichen wir das schmale Casa Constanzi, im Hintergrund über eine steinerne Treppe zu erreichen, thront die Kirche Santa Maria Maggiore. Sie ist mit einem geräumigen überwölbten Langschiff und einem hohen Kuppelraum ausgestattet. Die Wände wurden durch Pilaster geschmückt und haben ein Emporengeschoss. Die nebenstehende kleine Kirche San Silvestro geht fast unter.

Nachdem wir einen Blick auf die Überreste des römischen Theaters geworfen haben, erklimmen wir den Justus-Hügel. Vor der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Burg zeugen Säulenstümpfe vom einstiegen römischen Forum.

Ruine des römischen Forums vor der Kulisse der Burg
Ruine des römischen Forums vor der Kulisse der Burg

Von Außen wirkt der steinerne Dom San Giusto** mit seinem rechteckigen Campanile fast schlicht. Doch der Innenraum hat eine Menge zu bieten. Die Uneinheitlichkeit der fünfschiffigen Kathedrale fällt erst auf den zweiten Blick auf. Sie resultiert aus einer Zusammenfassung zweier nebeneinander stehender Kirchen.

Dom von Triest
Dom von Triest

Die Bodenmosaike vor den Stufen der heutigen Hauptapsis stammen sogar noch aus einem frühchristlichen Bau aus dem 5. Jahrhundert. In der auf der rechten Seite befindlichen Apsis der ehemaligen Gedächtniskirche des heiligen Justus sind Freskenreste aus dem Leben des heiligen Apollinaris zu erkennen. Besser erhalten sind die Fresken der ehemaligen Hauptapsis. Besonders schön ist das Marienmosaik in der links neben dem Chor befindlichen Apsis der ehemaligen Basilika Santa Maria Assunta. In der folgenden Kapelle ist hinter einem schmuckvollen Eisengitter ein Reliquienschrein mit bemalten Seitenflügeln zu sehen. Hier wird der Kirchenschatz bewahrt. In die Taufkirche kann man leider nur einen Blick auf das zehneckige Taufbecken und einige von der Wand abgenommene Fresken werfen.

Über die steile Via della Cattedrale steigen wir wieder hinab und halten uns rechts. Wir passieren die Borsa Vecchia (Alte Börse) und erreichen den Canal Grande. Sehr schön ist der Blick von der Brücke über den Canal Grande zur Kirche Sant'Antonio und der rechts davon byzantisch anmutenden Kirche San Spiridione.

Canal Grande mit Blick auf die Kirche Sant'Antonio
Canal Grande mit Blick auf die Kirche Sant'Antonio

Wir werfen noch einen Blick auf den Palazzo Carciotto und gehen zurück zum Hauptplatz. Bei einem leckeren Cappuccino lassen wir noch einmal den Blick über der Piazza dell'Unita d'Italia schweifen und beenden unseren Triest-Besuch. zuruek

Unser Tagesziel ist die kleine Halbinsel Grado**, etwa 60 km von Triest entfernt. Der beliebte Touristenort liegt zwischen der Lagune und dem offenen Meer. Nachdem wir ein Hotelzimmer gefunden haben, drehen wir eine erste kleine Runde. Der (kostenpflichtige) Sandstrand scheint ausgesprochen beliebt zu sein. Einen ersten Eindruck können wir uns von der schönen, historischen Altstadt machen, die Besichtigung sparen wir uns jedoch für den nächsten Tag auf. In den Cafes und Restaurants zieht am frühen Abend langsam das Leben ein. Auf der Strandpromenade findet derzeit ein Discolatino-Festival statt, wo uns schöne Tanzvorführungen geboten werden. zuruek

Montag, 03.08.2009 Grado - Aquileia

Auch Grado kann mit einer interessanten Historie aufwarten, die eng mit der Geschichte von Aquileia und Venedig verknüpft ist. Die sichere Lagunenstadt bot einst Aquilanern Schutz, so auch dem Bischof Paulinus, der 568 n. Chr. endgültig vor den Langobarden mit seiner Gemeinde, den Reliquien und dem Kirchenschatz nach Grado flüchtete. Der kleine Ort war mit einer 320 x 90 m messenden Schutzmauer versehen und zu einem Castrum umgebaut worden. In der Folgezeit übertrug Venedig dem Ort den Patriarchentitel. Die Bischöfe residierten nunmehr in Grado und errichteten herrliche Kirchen. Die Blütezeit der Stadt hielt bis ins 10. Jahrhundert an. Gewaltige Sturmfluten setzten der Stadt zu, viele Bewohner flüchteten nach Venedig und 1156 wurde auch der Patriarchensitz verlegt, der anachronistisch gewordene Bischofssitz wurde 1451 aufgelöst. In der Zeit der österreichischen Herrschaft (1815 - 1918) wurde die Heilkraft des Seeklimas entdeckt und Grado entwickelte sich zu einem See- und Kurbad. Da die Inselfläche hierfür nicht ausreichende, wurde neuer Boden durch Aufschütten der Lagune geschaffen und ein Verbindungsdamm zum Festland gebaut. Die Befestigungsmauern sind heute kaum noch erkennbar, da sie später überbaut wurden.

Basilica di Sant'Eufemia in Grado
Basilica di Sant'Eufemia in der Altstadt von Grado

Das wichtigste Bauwerk der Geschichte Grados ist die Basilica di Sant'Eufemia**. Für mehr als 800 Jahre war sie die Kathedrale der Drei Venetien. Die dreischiffige Säulenbasilika hat schmucklose Wände ohne Fresken, dafür aber ein 700 qm großes Bodenmosaik. Rechts vom Seitenschiff liegt etwa einen Meter tiefer der ebenfalls mit einem Fußbodenmosaik ausgestattete Empfangsraum des Bischofs mit einer Nachbildung des Bischofsstuhls.

Basilica di Sant'Eufemia: Fußbodenmosaik im Empfangsraum des Bischoffs
Fußbodenmosaik im Empfangsraum des Bischofs

Im angrenzenden Lapidarium sind aufgefundene römische Sarkophage und Altäre zu sehen. Der erst später errichtete Campanile trägt auf dem Dach eine Bronzefigur des Erzengels Michael, die sich mit dem Winde dreht. Neben der Domkirche steht das achteckige Baptisterium. Das Mosaikpaviment liegt ebenfalls etwa einen Meter tiefer als das des Doms, so dass eine frühere Bauzeit vermutet wird.

In der Nähe steht die Kirche Santa Maria delle Grazie, die gleichzeitig mit der Domkirche entstand und im 18. Jahrhundert barockisiert wurde.

Santa Maria delle Grazie
Santa Maria delle Grazie

Im rechten Seitenschiff liegt etwa 1,10 m tiefer ein Mosaikboden, der ebenfalls einem Vorgängerbau zuzuordnen ist.

Am Piazzale della Corte wurden Fundamente der Basilika San Giovanni ausgegraben, so auch ein Teil des Mosaikfußbodens. Wir laufen noch etwas durch die verwinkelten Gassen der Altstadt. Leider werden wir heute nicht von der Sonne verwöhnt, eine dichte Wolkendecke lädt eher zu weiteren Besichtigungen ein.

Über den Verbindungsdamm fahren wir zum 12 km entfernt liegenden Aquileia***. Einen kleinen Eindruck der Lagune können wir erhaschen. Im Hintergrund ist die Wallfahrtsinsel mit den Türmen der Santa Maria di Brabane zu sehen. Auf weiteren kleinen Inseln erblicken wir kleine strohgedeckte Fischerhütten.

Wallfahrtsinsel in der Lagune von Grado - Kirche Santa Maria di Brabane
Wallfahrtsinsel in der Lagune von Grado - Kirche Santa Maria di Brabane

UNESCO WeltkulturerbeDas im Jahre 200 vor Christus gegründete Aquileia war zu Zeiten des Römischen Reiches eine bedeutende Stadt und ein wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Die Überreste der 452 nach Christus von Attila dem Hunnenkönig zerstörten Stadt wurden 1998 von der UNESCO (Archäologische Fundstätten sowie die Basilika) zum Weltkulturerbe erklärt. Die Basilika aus dem 11. Jahrhundert spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Christentums in Europa.

Aquileia - Basilika und Glockenturm
Aquileia - Basilika und Glockenturm

Der 73 m hohe Glockenturm der Basilika ist schon von Weitem zu sehen. Zunächst besichtigen wir die Krypta der Ausgrabungen (Cripta degli Scavi**) im linken Seitenschiff. Der erste Eindruck ist verwirrend, denn man sieht mehrere Bodenschichten mit Mosaiken auf verschieden hohen Ebenen unterschiedlichster Bauphasen. Die qualitätsvollsten befinden sich im Bereich des später errichteten Campanile, durch dessen Bau ein beträchtlicher Teil der Mosaikfläche verloren ging. Hier tummeln sich umgeben von Ornamenten eine bunte Tierwelt und stilisierte Bäume.

Ausschnitt aus dem Fußbodenmosaik in der Cripta degli Scavi
Ausschnitt aus dem Fußbodenmosaik in der Cripta degli Scavi

Das Highlight der dreischiffigen Basilika*** ist sicherlich das 750 qm große Bodenmosaik. Dieses ist in zehn teppichartige Bildfelder aufgeteilt und zeigt Menschen- und Tierbilder sowie abstrakte Figuren. Ausgesprochen gut gefällt uns auch die unter dem Presbyterium befindliche Krypta. Diese ist mit einem gut erhaltenen Freskenzyklus aus dem Leben der Heiligen Hermagoras und Fortunatus geschmückt.

Fußbodenmosaik in der Basilika
Innenraum der Basilika mit Fußbodenmosaik

An der Ausgrabungsstätte Fondo Cossor sind nur noch einige Umrisse zu erkennen. Die hier gefundenen Mosaiken wurden abgetragen und befinden sich im Archäologischen Nationalmuseum. Vom ursprünglichen Flusshafen sind noch Reste einer 300 m langen zweistufigen Kaimauer sowie die Eingänge der dahinter liegenden Lagerhäuser zu sehen. Das 130 x 70 m messende Forum wurde 1936 teilweise wieder aufgebaut.

Forum Ruine in Aquileia
Forum Ruine in Aquileia

Zu sehen sind einige rekonstruierte Säulen, die einen Bogengang stützten. Etwas weiter erreichen wir das Mausoleum. Es handelt sich um eine Rekonstruktion. Der kurz daraus einsetzende Gewitterschauer unterbricht unsere Besichtigungsrunde. An der Touristeninfo suchen wir Schutz vor dem Wolkenbruch und finden zufällig einen von der Handelskammer heraus gegebenen kostenlosen Weinführer des Friauls. In einer kurzen Regenpause schaffen wir es immerhin bis zu einer Eisdiele. Wir geniessen das vorzügliche selbst gemachte Eis und warten auf die nächste trockene Phase. Die Besichtigungstour brechen wir damit ab.

In Terzo di Aquileia steuern wir das Weingut Ballaminut an. Nach einer kleinen Verkostung bei der eine Verständigung mit Händen und Füßen erstehen wir hier leckere 5-Euro-Weine. Zurück in Grado machen wir uns zum Abendessen auf in die Altstadt. Von der Essensqualität werden wir heute jedoch enttäuscht. zuruek


Dienstag, 04.08.2009 Udine - Cividale

Auch heute ist der Himmel wieder wolkenverhangen. Wir fahren weiter und besichtigen zunächst Udine***. Am schönen, venezianisch geprägten Piazza Liberta beginnen wir unseren Rundgang. An der Nordseite überragt der Torre dell'Orologio den Platz. Der Uhrturm zeigt die Verbundenheit zu Venedig mit einem (ehemals vergoldeten) mit einem ihn zierenden Markuslöwen.

Piazza Liberta - Torre dell'Orologio
Piazza Liberta - Torre dell'Orologio

Die Glocke wird von zwei Bronzefiguren geschlagen. In der nebenstehenden Cappella di San Giovanni befindet sich heute eine Gedächtniskirche für Gefallene. An der linken Platzseite steht seit 1819 ein Friedensdenkmal. Neben zwei Barockstatuen von Herkules und Kakus gibt es zwei Monumentalsäulen mit einem Markuslöwen und einer Statue der Gerechtigkeit. An den Dogenpalast in Venedig erinnert die zweifarbige Loggia del Lionello.

Loggia del Lionello
Piazza Liberta - Loggia del Lionello

Er gilt aufgrund seiner ausgewogenen Proportionen und der gleichmäßigen Folge der Spitzbögen als Meisterwerk venezianischer Gotik. Hinter der Loggia befindet sich der Palazzo d'Aronco, das als Rathaus genutzt wird. Durch den Arco Bollani führt der Weg hinauf auf den Schlossberg. Dahinter beginnt ein schöner Laubengang. Im mächtigen Castello befindet sich heute das Musei Civici.

Santa Maria di Castello
Santa Maria di Castello

Rechts neben dem Schloss liegt die älteste Kirche Udines, die Santa Maria di Castello mit ihrem offenen Glockenturm. Auf dem groß angelegten Schlossplatz befand sich im Mittelalter das Zentrum Udines mit drei Kirchen und zahlreichen Wohnhäusern. Bei einer Umgestaltung zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die historische Bausubstanz entfernt, dafür wurde das Casa della Contadinanza aus der Unterstadt abgetragen und hier wieder aufgebaut.

Bei der weiteren Besichtigung sehen wir uns noch einige Stadtpaläste an. Sehr gut gefällt uns die große Piazza Matteotti, der von schmalen Häuserfassaden eingerahmt wird. Ferner ist hier die schöne Fassade der Kirche San Giacomo zu bewundern. Die Fassade des Doms ist dagegen eher schlicht. Am Hauptportal befindet sich ein mit Skulpturen ausgestattetes Tympanon. Das Seitenportal Porta dell'Incoronazione ist hingegen etwas schmuckvoller mit Reliefs u.a. der Krönung Mariens gearbeitet. Interessant ist der schlichte achteckige Glockenturm, der über das Baptisterium errichtet wurde.

Dom von Udine
Dom und Baptisterium von Udine

Der Dom wird leider vor unseren Augen geschlossen, die Mittagspause dauert von 12 - 16 h. Wenig Glück haben wir auch mit dem Palazzo Patriarcale, in dem sich ein Frühwerk Tiepolos befindet. Der Palast hat montags und dienstags geschlossen. Wir werfen noch einen kurzen Blick auf die schöne Fassade der Kirche Sant'Antonio Abate, bevor wir weiter nach Cividale fahren.

Der Ort ist umgeben von grünen Hügeln und Weinbergen. Da auch hier viele Gebäude während der Siesta nicht zugänglich sind, speisen wir zunächst in einer typisch italienischen Trattoria (4S), die ebenfalls bei Einheimischen sehr beliebt zu sein scheint. Anschließend suchen wir uns ein Hotel. Am ruhig gelegenen Piazza San Giavanni haben wir im Hotel Locanda al Pomo D'Oro (drei Sterne) Glück.

Cividale** wurde 50 vor Christus von Julius Cäsar gegründet und gilt als Stadt der Langobarden. Nach dem Fall von Aquileia (451 nach Christus) wurde sie zum wichtigsten Mittelpunkt der Region. Am Piazza del Duomo beginnen wir unseren Rundgang. Auffällig ist der an einer Ecke stehende Palazzo Communale mit seinen spitzbogigen Arkaden. Die Fassade des Dom Santa Maria Assunta ist ebenfalls eher schlicht.

Dom
Dom Santa Maria Assunta und Palazzo Communale

Auch das Innere wirkt kühl, was besonders durch die weiß/grau gehaltene Zweifarbigkeit betont wird. Auffällig ist das mit Silberarbeiten verzierte Altarbild. Leider hat auch das laut Reiseführer sehenswerte Museo Cristiano heute geschlossen. Rechts vom Dom führt die Via Candotti zum Monastero Maggiore Orsolino. Besonders sehenswert ist der Tempietto Langobardo, der sich in diesem Klosterkomplex befindet. Es ist das Oratorium der Santa Maria in Valle. Der kleine Raum ist mit einer schönen Stuckausstattung versehen. Reste von Fresken sind an den Wänden noch zu erkennen. Das Presbyterium wird durch sechs Stützen in der tonnengewölbte Schiffe gegliedert. Die Gewölbebemalung ist noch gut erhalten.

Über die zweibogige Ponte del Diavola überqueren wir den Natisone. Vom gegenüberliegenden Ufer hat man einen sehr schönen Blick. In Ocker- und Rottönen gestrichene Häuser reihen sich am Ufer, heraus ragt der Turm von San Francesco.

ufer
Torre von San Francesco und Häuser am Natisone

Neugierig hat uns die Beschreibung des Keltischen Hypogäums gemacht, dessen Eingang in der Via Monastero Maggiore 4 ist. In der Bar Ipogeo fragen wir nach dem Schlüssel. Die höhlenartige in den Felsen gehauene Anlage ist erfreulicherweise beleuchtet. Über unregelmäßige Stufen gelangt man in einen Raum mit einigen kleinen Seitennischen. Drei grobe Masken, die aus dem Felsen geformt wurden, sind zu erwähnen. Der ursprüngliche Zweck dieser Anlage ist bis heute ungeklärt.

Inzwischen etwas laufmüde geworden, fahren wir mit dem Auto zum 9 km entfernt liegenden Castelmonte. Kurz vor der Grenze Sloweniens liegt der Wallfahrtsort imposant auf einem über 600 m hohen Hügel. Eine mit Kapellen gesäumte Straße bietet herrliche Blicke in das umgebende Hügelland. In der Wallfahrtskirche befindet sich eine kitschige Madonnenstatue, das Ziel der Wallfahrer.

Castelmonte
Castelmonte

Wieder zurück in Cividale geniessen wir das bunte Treiben auf der belebten Piazza Paolo Diacono. zuruek


Mittwoch, 05.08.2009 Udine - Dolomiten / Grödner Tal / Wolkenstein

Erfreulicherweise begrüßt uns am Morgen strahlender Sonnenschein. Wir fahren noch einmal nach Udine um die ausgelassenen Sehenswürdigkeiten nachzuholen. In Bottenigo legen wir noch einen kurzen Stopp bei der Villa de'Claricini ein, deren Gärten zu einem der schönsten Friauls gehört.

Garten der Villa de'Claricini in Bottenigo
Garten der Villa de'Claricini in Bottenigo

Pünktlich um 10:00 h sind wir am Palazzo Patriarcale**, deren Tiepolo-Bilder wir uns nicht entgehen lassen wollten. Bereits im Treppenhaus ist ein Deckenfresko Tiepolos zu sehen. Wir gehen direkt ins 2. Obergeschoss. Sehr gut gefällt uns die große Bibliothek. Im Sala rossa ist ein weiteres Deckenfresko zu sehen, das Giovanni Battista Tiepolo 1730 schuf. Dargestellt ist das Urteil Salomos.

Salomos Urteil von Tiepolo
Salomos Urteil von Tiepolo

Das Highlight ist die Galleria del Tiepolo. Hier schuf der begnadete Künstler 1727 - 1728 seinen ersten Freskenzyklus. Die fantastischen Bilder zeigen Szenen aus dem Alten Testament. Im großen Gemälde auf der rechten Seite vermutet man im Hintergrund ein Selbstbildnis des damals 31 jährigen Künstlers.

Galleria del Tiepolo
Galleria del Tiepolo im Palazzo Patriarcale

Nun holen wir die Besichtigung des Doms nach. Die zunächst schlichte Basilika wurde nachträglich barockisiert. Im Altarraum überwiegt der Eindruck von zuviel Detail und zu wenig einheitlicher Raumgestaltung. Sehenswert ist insbesondere die Kapelle der Allerheiligen mit Fresken von Tiepolo sowie einige weiterer Fresken, die ebenfalls dem Künstler zuzuschreiben sind.

Altarraum des Doms, freskiert von Tiepolo
Altarraum des Doms, freskiert von Tiepolo

Bei dem schönen Wetter lassen wir uns nicht nehmen, noch einmal den schönen Piazza Liberta zu fotografieren. Damit beenden wir unsere Besichtigungstour. Udine hat uns ausgesprochen gut gefallen. Nun sehnen wir uns für die verbleibenden Urlaubstage nach etwas Natur.

Was läge dafür näher als die Dolomiten. Unser Ziel ist Wolkenstein im Grödner Tal. Leider unterschätzen wir den Zeitaufwand für die zu fahrenden 260 km. Mit einem kurzen Picknick- und Gipfel-Ausblick-Stopp benötigen wir fast fünf Stunden. Dafür haben wir schöne Blicke auf die von der Sonne angestrahlten schroffen Felsformationen.

In Wolkenstein (1.567 m) angekommen finden wir mit Hilfe der Touristeninfo relativ schnell ein ruhig gelegenes Quartier. Nach dem vielen Sitzen ist uns noch nach Bewegung und wir machen uns mit unseren Stöcken auf ins Langental / Vallunga. Hier gibt es zu unserer Freude eigens angelegte Nordic Walking-Strecken. Das Abendessen nehmen wir in einem nahe gelegenen, modern eingerichteten Restaurant ein. Wir speisen vorzüglich und können ein wenig das bunte Treiben beobachten. Auf dem Platz wird wenig später eine Musikanlage aufgebaut und es startet ein Animationsprogramm; in Windeseile befüllt sich der Platz. Wir haben unterschätzt wie kühl es auf über 1.500 m Höhe abends wird. An den kommenden Abenden werden wir dies berücksichtigen. zuruek


Donnerstag, 06.08.2009 Dolomiten*** - Grödner Tal: Wolkenstein / St. Ulrich

Der erste Blick am Morgen gilt den Berggipfeln. Diese liegen in strahlendem Sonnenschein vor uns. Nun heißt es Wanderschuhe anziehen und die Bergwelt erkunden.

UNESCO Weltkulturerbe

In der nördlichsten Provinz Italiens erheben sich die majestätischen Felsen der Dolomiten. Von der UNESCO wurde diese spektakuläre Landschaftsformation 2009 wegen ihrer einzigartigen Schönheit zum Weltnaturerbe erklärt.

Von Wolkenstein laufen wir hinauf zur Regensburger Hütte (2087 m). Bei einem tollen Ausblick geniessen wir hier eine frische Buttermilch.

Über die Hütten Odles, Fermeda Cura und Sofie geht es weiter nach Mastle. Das Wandergebiet ist gut besucht, wobei die meisten Wanderer eher mit der Gondel herauf fahren und oben angekommen von Hütte zu Hütte (die es hier zahlreich gibt) laufen. In Mastle stärken wir uns an einer leckeren Steinofenpizza. Der Ausblick ist fantastisch.

Dolomiten - Grödner Tal
Dolomiten im Grödner Tal

Die Bergspitzen werden von der Sonne angestrahlt und wirken zum Greifen nah. Kurz hinter der Curona Hütte steigen wir in Richtung St. Jakob hinab. Leider erwischen wir den falschen, sehr steilen und steinigen Weg, der uns viel zu tief führt, so dass uns ein weiterer Aufstieg nicht erspart bleibt. Zunächst gehen wir durch den Wald. Der weitere Weg, der an einem steilen Felsen entlang führt, ist spektakulär, bedarf jedoch einer uneingeschränkten Aufmerksamkeit. Mit schönen Blicken auf St. Ulrich und den spitz herausragenden Kirchturm von St. Jakob werden wir dafür belohnt.

Sankt Johann vor der Dolomiten-Kulisse
Sankt Johann vor der Dolomiten-Kulisse

Die kleine Kapelle St. Jakob liegt sehr idyllisch oberhalb des Ortes. Die Außenseite lassen noch Freskenreste erkennen. Entgegen den angegebenen Öffnungszeiten ist die Kirche um kurz vor 16:00 h leider verschlossen. Sehenswert ist noch der kleine Friedhof. Auf den kleinen, gepflegten Gräbern liegen Fotos der Verstorbenen. Mangels guten Kartenmaterials haben wir uns mit den Entfernungen etwas verschätzt. Laut Zeitangaben sollen es noch 1,5 h bis nach St. Christina sein und dann sicherlich noch eine Stunde bis nach Wolkenstein. Die Wanderung hat uns sehr gut gefallen, doch für unseren ersten Wandertag reichen uns sieben Stunden. Wir gehen zum Ort St. Jakob hinunter. Von dort bringt uns ein Bus nach St. Ulrich, wo wir einen zweiten Bus zurück nach Wolkenstein nehmen. Abends haben wir Mühe in Wolkenstein ein weiteres akzeptables Restaurant zu finden. zuruek


Freitag, 07.08.2009 Grödner Tal - Seiser Alm - St. Ulrich

Eine Wetterveränderung steht bevor. Im Tal hängt der Nebel und die Bergspitzen sind nur vereinzelt zu sehen. Doch die Wetteraussichten sehen für heute noch etwas Sonnenschein vor. Wir fahren von St. Ulrich aus mit der Gondel auf die Seiser Alm (2.005 m). Nach einstündiger Wanderung erreichen wir Saltira (1.680 m). Mit einem weiteren Sessellift fahren wir aus die Wilhelmshöhe hinauf. Ein sehr schöner Weg führt uns unterhalb der schroffen Bergspitzen entlang, zunächst zur Murmeltierhütte.

Seiser Alm bei Sankt Ulrich
Seiser Alm bei Sankt Ulrich

Zwischen dem Kuhglockengeläut meinen wir das Pfeifen von Murmeltieren wahrnehmen zu können, die Tiere bleiben uns jedoch verborgen. Weiter geht es über Wiesen. Wir sind von einem wunderbaren Bergpanorama umgeben und finden einen tollen Picknickplatz. Der 3.181 m hohe Langkofel ist wolkenfrei und bietet einen majestätischen Anblick. Auf dem weiteren Weg sehen wir kurz darauf den von der Sonne angestrahlten, spitzen Kirchturm der Kapelle St. Johann auf der gegenüberliegenden Talseite. Später steigen wir einen auf dem ersten Stück sehr steilen und steinigen Weg in Richtung St. Christina ab. Hier hat es einige Gerölllawinen gegeben. Auf der Wiese, die wir kurz darauf erreichen, liegen riesige Felsbrocken. Unser Ziel ist Monte Pana (1.636 m). Mit dem Sessellift fahren wir ins Tal hinab nach St. Christina.

Im Busfahren inzwischen geübt geht es zurück nach St. Ulrich, wo noch unser Auto steht. Nachmittags geniessen wir in unserem Hotel Garni Flamingo (drei Sterne) noch etwas die Sonne, die hin und wieder von Wolken verdeckt wird. Abends suchen wir uns in St. Ulrich ein schönes Restaurant für unseren letzten Abend. Der Ort ist grösser als Wolkenstein und entsprechend belebter. Es gibt eine ganz nette Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften und Cafes. Hier finden wir auch das Restaurant Zur Traube, wo wir unserem Abschiedsabend angemessen vorzüglich speisen. zuruek


Samstag, 08.08.2009 Grödner Tal - Erdpyramiden (Klobenstein) - Bozen

Die Wetteränderung ist eingetreten, nachts hat es gewittert und am Morgen ist es zunächst sehr wolkig. Entsprechend werden wir bereits heute unsere Rückreise antreten. Nachdem wir aus dem Hotel ausgecheckt haben wandern wir noch ein letztes Mal ins Langental / Valluga. Etwas lichten sich die Wolken und die Gipfel erscheinen in einem mystisches Licht. Die als Nordic Walking-Gebiet ausgebaute Strecke ist sehr angenehm zu laufen. Der Weg führt weiter bis zur Pütz-Hütte hinauf, ein Teil der Strecke folgt bereits dem Dolomiten-Höhenweg. Wir machen kurz vor Talende kehrt. Das Gebimmel der Kuhglocken der hier grasenden Kühe ist uns inzwischen sehr vertraut.

Dolomitenformation im Grödner Tal
Dolomitenformation im Grödner Tal

Mit dieser schönen letzten Wanderung verabschieden wir uns vom Grödner Tal. Etwas nordöstlich von Bozen wollen wir die Erdpyramiden bei Klobenstein besichtigen. Wenn man wie wir nicht über Bozen kommt gibt es keine Ausschilderung. Doch Detlef kann sich von seinem Besuch vor etwa 10 Jahren noch einigermaßen orientieren (die Fläche der Erdpyramiden hat er allerdings grösser in Erinnerung). Wie Kegel ragen die Felsformationen aus rötlichem Gestein in die Höhe. Einige sind mit einem Dach aus einem grauen Felsblock versehen.

Erdpyramiden bei Klobenstein
Erdpyramiden bei Klobenstein

Die seltsamen durch Erosion entstandenen Formationen erinnern uns an die Hoodoos, die wir aus unserer USA-Grand Circle-Tour gesehen haben, wobei selbige noch spektakulärer waren. Ein letztes Mal wollen wir die italienische Küche in Bozen geniessen. In der Altstadt finden wir in einer kleinen Seitenstraße eine typische Trattoria. Nach einem kurzen Stadtrundgang, einer Kurzbesichtigung des Doms (mit seinem an der Wiener Stephansdom erinnernden bunten Dachziegeln) und einem letzten Cappuccino am Hauptplatz machen wir uns gen Heimat auf (500 km).

Wieder einmal ging ein wunderschöner Urlaub viel zu schnell vorbei. Insgesamt war es ein sehr erholsamer Urlaub. Die Fahrerei hielt sich mit insgesamt knapp 2.000 km für unsere Verhältnisse sehr in Grenzen und auch die abwechslungsreiche Mischung aus Natur und Kultur ist uns sehr gut gelungen. zuruek


Friaul und Triest Dumont Kunst ReiseführerIm Friaul gibt es viele Kunstschätze zu entdecken. Wir fahren froh, dass wir den sehr informativen Kunst Reiseführer Friaul & Triest dabei hatten und für uns neue Regionen Oberitaliens entdeckten konnten! Die Autoren beweisen Fach- und vor Ortskenntnis, alle Sehenswürdigkeiten werden ausführlich besprochen, und ergänzt durch Fotografien.